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Liebe Kolleginnen und Kollegen, Garant für Erfolg seit 150 Jahren! Dieses Jubiläum haben wir in unserer Generalversammlung im Mai in Ludwigshafen gebührend gefeiert. Und dazu hatten wir auch allen Grund. ... mehr

Bilanz zur Generalversammlung

Flächentarifvertrag mit allen wichtigen Eisenbahnverkehrsunternehmen abgeschlossen

GDL Aktuell - Voraus Artikel - 01.03.2017

GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: Ganz oben auf unserer Agenda stehen verbesserte Arbeitszeitbeding-ungen. Das Zugpersonal in ganz Deutschland muss substanziell entlastet werden. <span style=display:none>   -   </span><span class=fsource>Foto:  GDL </span>
GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: Ganz oben auf unserer Agenda stehen verbesserte Arbeitszeitbeding-ungen. Das Zugpersonal in ganz Deutschland muss substanziell entlastet werden.   -   Foto: GDL

Die GDL feiert zur Generalversammlung im Mai ihre 150-jährige Geschichte, die sie in ihrem Jubiläumsbuch fundiert dokumentiert hat. Über die wichtigsten Ereignisse seit der letzten Generalversammlung sprach das GDL Magazin VORAUS mit dem GDL-Bundesvorsitzenden Claus Weselsky.

GDL Magazin VORAUS: Seit 30. Juni 2015 hält die GDL den Flächentarifvertrag für das Zugpersonal (BuRa-ZugTV) bei der DB in den Händen. Satte 420 Stunden Arbeitskampf und eine Schlichtung hat es gebraucht, bis die GDL die Tarifverträge für ihr DB-Zugpersonal abgeschlossen hat. Wieso war der Tarifabschluss so wichtig?

Claus Weselsky: Bis zu diesem Tarifabschluss hatten wir bei der DB Mitglieder erster und zweiter Klasse, die Lokomotivführer profitierten von unseren Abschlüssen und die Zugbegleiter, die genauso im unregelmäßigen Schichtdienst arbeiten, nicht. Das war nicht mehr hinnehmbar, zumal immer mehr Zugbegleiter den Weg zu uns gefunden haben.

GDL Magazin VORAUS: Auf der Agenda standen auch bessere Arbeitszeitregelungen…

Claus Weselsky: …klar: Der Einstieg in die 38-Stunden-Woche und die Begrenzung der Überstunden waren für das durch den unregelmäßigen Schichtdienst stark belastete Zugpersonal zwingend notwendig. Jede Arbeitszeitverbesserung ist für die DB jedoch ein rotes Tuch, weil dann die Flexibilität nicht mehr beim Zugpersonal abgegeben werden kann. Deshalb steht Arbeitszeitverbesserung auch in dieser Tarifrunde ganz oben auf der Agenda. Und deshalb sind wir jetzt auch in der Schlichtung. Mal sehen, ob wir die Fünf-Tage-Woche mit zwei freien Tagen „5+2“ durchsetzen können.

GDL Magazin VORAUS: Die GDL und insbesondere Sie wurden beim DB-Streik 2015 stark angefeindet. So „begrüßte“ Sie Moderator Claus Kleber im heute-journal als „meist gehassten Mann in Deutschland.“ Wie hat es die GDL trotzdem geschafft, den BuRa-ZugTV abzuschließen?

Claus Weselsky: Das war schon eine harte Zeit. Aber wir hatten einen unbezahlbaren Vorteil. Die Mitglieder standen hinter uns. Ohne ihr Vertrauen und ihre Solidarität hätten wir den Tarifabschluss nicht geschafft. Darüber hinaus hatten wir mit Ministerpräsident Bodo Ramelow einen hervorragenden Schlichter und nicht zuletzt Amtsinhaber und Mitarbeiter, die alles gegeben hatten.

GDL Magazin VORAUS: Warum waren im Tarifkonflikt fast alle anderen gegen die GDL?

Claus Weselsky: Wenn man die Interessen einer Berufsgruppe wirklich vertritt, ist die Welt nicht immer nur Sonnenschein. Die DB will billige Arbeitskräfte, was genauso für die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände gilt. Für die EVG sind unsere guten Tarifabschlüsse ein Gräuel, denn so kann sie ihre billigen Abschlüsse als Erfolg verkaufen, was übrigens auch auf andere schwach organisierte Gewerkschaften zutrifft. Die Bundesregierung wollte ihr verfassungsfeindliches Tarifeinheitsgesetz durchboxen und hat einen Buhmann zur Legitimation gebraucht. Obwohl die Kunden im Arbeitskampf am stärksten betroffen waren, hatten dennoch viele bis zum Schluss Verständnis. Und das alles hat sich das in den Medien widergespiegelt, manchmal auch weit unter der Gürtellinie. Focus Online ist im Nachhinein sogar vom Deutsche Presserat gerügt worden.

GDL Magazin VORAUS: Nach dem erfolgreichen Tarifabschluss hat sich das Blatt gewendet. Sie waren gern gesehener Gast in Talkshows und Interviewpartner. Bei Markus Lanz wurden Sie zusammen mit Dieter Hallervorden, Sarah Connor, Martin Schulz zum „Menschen 2015“ geadelt.

Claus Weselsky: Das ist ja gut und schön. Viel entscheidender ist aber, dass wir die Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder verbessern, denn dafür tragen wir die Verantwortung. Was passiert, wenn ein Lokomotivführer nach einem Personenunfall keine Züge mehr führen kann? Das ist kein Thema für die Medien, es ist jedoch essentiell für den Kollegen…

GDL Magazin VORAUS: …und dazu die GDL hat auch den entsprechenden Tarifvertrag.

Claus Weselsky: Mit dem FDU-TV haben wir verbindliche Schutzbestimmungen im Falle des Verlusts der Fahrdiensttauglichkeit für Lokomotivführer geschaffen. So werden die Kollegen jetzt nicht mehr deutschlandweit versetzt. Gerade im unregelmäßigen Schichtdienst sind Familien auf Netzwerke angewiesen, ohne die eine Betreuung von Kindern oder auch Älteren oft gar nicht möglich wäre. Und für sein Haus im Ortsteil von Halle, bei dem der Lokomotivführer mit viel Liebe und Zeitaufwand mitgebaut hat, bekommt er in München gerade einmal eine Miniwohnung. Für Zugbegleiter gilt diese Sicherheit übrigens noch nicht. Das müssen wir dringend beenden.

GDL Magazin VORAUS: Apropos Sicherheit: Die GDL hat all ihre Mitglieder zu Übergriffen befragt. Die Umfrage „Mit Sicherheit“ brachte Schlimmes zutage. Das Zugpersonal wird viel öfter als registriert beleidigt, bespuckt und geschlagen. Hinzu kommt die Belastung durch die Personenunfälle. Was tut die GDL, um die die Probleme zu verringern?

Claus Weselsky: Das erste, was wir gemacht haben, das war schon die wissenschaftlich begleitete Umfrage „Mit Sicherheit“, denn damit können wir hieb und stichfest Ross und Reiter benennen und so den Verharmlosungen und Beschönigungen entgegenwirken. Nun geht es an die konkreten Maßnahmen: Wir haben bereits erste Gespräche mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Vorbeugung gegen Übergriffe und zur besseren Betreuung der Kollegen nach Übergriffen geführt. Insbesondere haben wir verdeutlicht, dass die Folgen von Personenunfällen oft viel schwerwiegender sind, als dies bisher in den Konzepten der Unternehmen verankert ist. Jetzt geht es an die Rahmenbedingungen. Auch das wird wieder ein dickes Brett.

GDL Magazin VORAUS: Wo steht die GDL als Tarifpartner bei den DB-Konkurrenten, Verzeihung -Mitbewerbern?

Claus Weselsky: Mit dem Flächentarifvertrag bei Abellio Deutschland haben wir den letzten weißen Fleck auf der GDL-Tarifvertrags-Landkarte beseitigt. Wir haben nun mit allen wichtigen Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland einen Flächen- und entsprechenden Haustarifvertrag abgeschlossen. Damit konnten wir die Arbeits- und Lebensbedingungen deutlich verbessern und das Tarifniveau stark angleichen. In fast allen Unternehmen haben wir auch die Arbeitszeit ab 2018 auf 38 Wochenstunden gesenkt.

GDL Magazin VORAUS: Welche Meilensteine muss die GDL in der kommenden Wahlperiode bis 2022 bewältigen?

Claus Weselsky: Ganz oben auf der Agenda stehen immer noch verbesserte Arbeitszeitbedingungen. Das Zugpersonal in ganz Deutschland muss substanziell entlastet werden.

Vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Gerda Seibert.

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