» Ein hervorragender Tarifabschluss

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist vollbracht: am 9. März 2017 haben wir in Berlin die Tarifverträge mit der DB unterzeichnet. Kurz darauf hat die Bundestarifkommission dem Abschluss einstimmig zugestimmt. Damit ist die Schlichtung erfolgreich beendet und der Tarifkonflikt beigelegt. ... mehr

150 Jahre GDL (Teil 19)

Die erstarkte GDL in den 1990er-Jahren

Voraus Artikel - GDL Aktuell - 01.03.2017

Die erfolgreiche Wiedervereinigung der GDL fand ihren Höhepunkt in der ersten gemeinsamen Generalversammlung 1992. Foto: GDL
Die erfolgreiche Wiedervereinigung der GDL fand ihren Höhepunkt in der ersten gemeinsamen Generalversammlung 1992. Foto: GDL

Die erfolgreiche Wiedervereinigung der GDL Anfang der 90er Jahre fand ihren Höhepunkt in der ersten gemeinsamen Generalversammlung 1992. Die folgenden Jahre sollten Herausforderungen mit sich bringen, die die „neue“ GDL gemeinsam bewältigte.

In der Bundesrepublik war das Jahrzehnt geprägt durch den Wiedervereinigungsprozess beider deutscher Staaten, wobei die anfänglichen positiven Wirtschaftsprognosen Ende des Jahrzehnts wesentlich realistischer eingeschätzt wurden. Diese Prozesse zeigten sich auch in der Umstrukturierung der Deutschen Bahn. Die Deutsche Reichsbahn und die Deutsche Bundesbahn wurden 1994 zusammengeführt und im Zuge dessen privatisiert. Die entstandene Deutsche Bahn AG stellte die GDL vor neue gewerkschaftliche Aufgaben, denen sie mit einer inneren organisatorischen Neuordnung begegnete.

Organisatorische Neuordnung der GDL

Eine der ersten Änderungen innerhalb der GDL stellte der Umzug der Hauptgeschäftsstelle dar. Nachdem sich diese 38 Jahre in der Westendstraße in Frankfurt befunden hatte, wurde 1994 das heutige Gebäude in Frankfurt Nordend-Ost erworben und umgebaut. Die Gewerkschaft kam damit dem gestiegenen Arbeitsaufwand nach, der sich durch die Umstrukturierung der Bahn und den vielseitigen gewerkschaftlichen Herausforderungen ergab. Dem trug auch die Neuordnung des gesamten GDL-Gebietes Rechnung. In der Generalversammlung 1997 in Magdeburg wurde die organisatorische Umgestaltung der Gewerkschaft beschlossen. Hintergrund war die effektivere Gestaltung der gewerkschaftlichen Arbeit. Noch 1997 gab es 15 Bezirke mit 227 Ortsgruppen. Ziel war es, die Bezirke zu größeren Gebieten zusammenzufassen. Neben dem Bezirk Frankfurt wurde bereits 1998 der neue Bezirk Nord gegründet. Ein Jahr später entstanden die Bezirke Nordrhein-Westfalen, Mitteldeutschland und Berlin-Sachsen-Brandenburg. Kurz nach der Jahrtausendwende kamen die Bezirke Bayern und Süd-West hinzu. Auch die Aufgaben des Hauptvorstandes der Gewerkschaft wuchsen Ende der 90er Jahre weiter an. Gründe hierfür waren die anhaltenden Veränderungsprozesse innerhalb der Arbeitgeberseite, der andauernde Personalabbau sowie die tarifpolitischen Neuerungen. Eine weitere strukturelle Änderung betraf Ende des Jahrzehntes auch die Rechtschutzarbeit der Gewerkschaft. Die Verfahren der Rechtschutzgewährung wurden verändert, parallel entstanden neue, regional eingerichtete Dienstleistungszentren durch den dbb auf diesem Gebiet. Dabei arbeitete die Rechtschutzabteilung der GDL eng mit den Stellen des dbb zusammen. Sie übernahm die Kontrolle der Rechtschutzverfahren. Neben der Zusammenarbeit mit dem Dachverband führte die Rechtschutzabteilung der GDL weiterhin zahlreiche eigene Verfahren zum Schutz ihrer Mitglieder im Schadensfall durch.

Personalabbau und Beschäftigungsbündnis

Eine der größten Herausforderungen für die Gewerkschaft war der starke Personalabbau Mitte der 90er Jahre bei der Bahn. Dies betraf sowohl die Bundesbahn als auch die Reichsbahn, wobei sich bei letzterer der Stellenabbau noch rasanter vollzog. Der Zusammenbruch des sozialistischen Wirtschaftssystems und die Zusammenführung beider deutschen Teile hatten einen starken Rückgang im Güter- und Personenverkehr zur Folge. Waren bei der Deutschen Reichbahn 1990 noch über 250 000 Personen beschäftigt, so waren es 1993, kurz vor der Entstehung der Bahn AG nur noch 137 000. Auch nach der Privatisierung setzte sich der Personalabbau weiter fort.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Für die GDL war eine der wichtigsten Aufgaben zu dieser Zeit, den Abbau sozialverträglich zu gestalten, da sie ihn trotz aller Bemühungen nicht verhindern konnte. In diesem Zusammenhang wurden zahlreiche tarifliche Regelungen geschlossen. Dabei musste sich die GDL sowohl gegen das neue private Unternehmen Bahn als auch gegen staatliche Stellen zur Wehr setzten, die kurzfristige Entlassungen befürworteten. Die GDL konnte in der damaligen Tarifgemeinschaft mit der GDBA den Rationalisierungsschutzvertrag, den Vorruhestandstarifvertrag und weitere entsprechende Regelungen durchsetzen. Ein wichtiger Punkt war auch die Vereinbarung mit der DB AG, bis Ende 1998 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Tarifverträge in vielen Unternehmen

Neben der DB AG schloss die Tarifgemeinschaft der GDL in vielen weiteren Unternehmen Tarifverträge ab, von denen das Zugpersonal profitierte. Die vergangenen Jahre waren durch das Bestreben der GDL gekennzeichnet, Arbeitsplätze zu erhalten und Nachteile für das Zugpersonal zu verhindern oder so gering wie möglich zu halten. Ein wichtiger Schritt war dabei die Verabschiedung des „Beschäftigungsbündnis Bahn“ 1996. Neben der GDL und anderen Gewerkschaften sowie dem Bahnvorstand wurden auch die Betriebsräte einbezogen, um den Strukturwandel während der Privatisierung besser umzusetzen, was nicht einem klassischen Tarifvertrag entsprach. Der unterzeichnete Vertrag über die „Beschäftigungssicherung Bahn“ hatte die Aufgabe, Arbeitsplätze zu sichern, ohne dabei bestehende Tarifverhandlungen zu belasten. Es wurde für 1997 eine Weiterentwicklung des Beschäftigungsbündnisses angestrebt, was zunächst durch die geforderten tariflichen Einschnitte seitens der DB AG auf der Kippe stand. Erst nach langen Verhandlungen konnte im Oktober 1998 eine Fortsetzung des Beschäftigungsbündnisses bis 2002 unterzeichnet werden. Mit dem Bündnis erreichte die GDL zunächst eine Absicherung der Arbeitsplätze. Gleichzeitig setzte sie sich für bessere Entgelte ein. Das war auch bitter notwendig, zumal dieser Zeitraum von Sparmaßnahmen gegenüber den Beschäftigten geprägt war. Bereits bei der Einkommensrunde 1998 forderte die GDL eine spürbare Erhöhung. Auch hier zogen sich die Verhandlungen über ein Jahr hin. Erst nach massiven Warnstreiks durch GDL und GDBA besserte die DB AG ihr mageres Angebot auf.

Zusammenwachsen von Ost und West

Trotz aller Widrigkeiten in diesen Jahren ging die GDL die Herausforderungen des Jahrzehntes erfolgreich an. Dazu trug insbesondere das schnelle Zusammenwachsen der Kollegen in Ost und West bei.
S.T.



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