» Weselsky mit 95 Prozent wiedergewählt

Claus Weselsky heißt der alte und neue Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Er wurde am 9. Mai 2017 in Ludwigshafen von 95 Prozent der rund 200 Delegierten in der Generalversammlung unter dem Motto „Mit Tradition in die Zukunft – 150 Jahre GDL“ wiedergewählt. ... mehr

Rücktritt Rüdiger Grube

GDL fordert mehr Bahnkompetenz an der Spitze

Pressemitteilung - GDL Aktuell - 31.01.2017

„Rüdiger Grube ist 2009 mit dem Versprechen angetreten, sich um das Brot-und Butter-Geschäft, den Schienenverkehr in Deutschland zu kümmern. Das war ein ehrenwertes Vorhaben, doch angesichts des desaströsen Zustands der Schiene bleibt vor allem eines festzuhalten: Er hat sein Versprechen nicht gehalten und das von Mehdorn auf Börsengang getrimmte Unternehmen nicht aufs richtige Gleis gesetzt.“

Mit diesen Worten kommentierte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, den Rücktritt von Rüdiger Grube als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn.

Grube hat dem System Eisenbahn vor allem mit seinen Äußerungen zum baldigen autonomen Fahren von Zügen geschadet. Weselsky: „Wer anschließend in einem autonomen Straßenfahrzeug von Google oder vor einem selbstfahrenden Omnibus posiert, der erweist der Eisenbahn einen Bärendienst. Den ehrenwerten Berufen der Lokomotivführer und Zugbegleiter wurden dadurch Zukunftsperspektiven entzogen und keinen wird es wundern, wenn sich immer weniger junge Menschen für diese Berufe entscheiden. Dabei ist der Personalmangel beim Zugpersonal schon jahrelang eines der dringendsten Probleme.“

Doch Grube alleine die Schuld an der Misere anzulasten, hieße zu kurz zu springen. „An der Konzernspitze fehlt es schlicht an kompetenten Eisenbahnern und glasklaren Vorgaben durch den Eigentümer Bund“, so Weselsky. „Anders als mit einer kompletten Unkenntnis des komplexen Eisenbahnsystems sind die Fehlentwicklungen der letzten Jahre nicht zu erklären. Außerdem muss der Eigentümer Bund nicht Lippenbekenntnisse zur Zukunft des Eisenbahnsystems abgeben, sondern mit einer umfassenden Neuausrichtung der Infrastruktur dem Bahnvorstand auch klare Vorgaben machen.“

Aktuell prägen noch immer Langsamfahrstellen und Kapazitätsengpässe das Bild. Dadurch geht der entscheidende Systemvorteil der Eisenbahn – das Fahren bei Wind und Wetter, Zuverlässigkeit der Anschlussverbindungen und eine beispielgebende Pünktlichkeit – einfach verloren. Hinzu kommt, dass die Bahn die Verspätungen nicht an der Wurzel bekämpft und nicht zuerst die Infrastruktur ertüchtigt, keinen integralen Taktfahrplan einführt und alle Aktivitäten zuerst dem Renditestreben unterworfen werden. „Ein ‚Weiter so‘ darf es nicht geben, denn damit lässt sich weder ein Gemeinwohlauftrag erfüllen, noch das steigende Verkehrsaufkommen der Zukunft bewältigen. Alle bisherigen Aktivitäten haben Stück für Stück nur zu Punktverlusten bei unseren Kunden und im Vergleich der Verkehrsträger zu einer abnehmenden Kernkompetenz der Schiene geführt“, so Weselsky.

Infrastruktur muss Priorität haben

Doch die wahren Ursachen liegen tiefer: Systematisch werden milliardenschwere Leuchtturmprojekte nach vorne getrieben, während das Herzstück der Eisenbahn, die Infrastruktur, in der Fläche vernachlässigt und dem Renditestreben geopfert wird.

„Aber wie sollen denn mit einer Infrastruktur, die Milliarden an staatlichen Zuschüssen erhält, überhaupt Gewinne erzielt werden?“ so Weselsky. „Kein Mensch, der die Grundrechenarten beherrscht, kann das nachvollziehen.“ Zur Konsolidierung der Schiene müssen aus Sicht der GDL sämtliche Infrastrukturunternehmen in einer Gesellschaft zusammengeführt und zwingend von der Gewinnorientierung befreit werden. „So könnten die Subventionen zielführend für den Bestand und den dringend nötigen Ausbau eingesetzt werden. Nur auf diesem Wege werden die Eisenbahnverkehrsunternehmen einen wirklich diskriminierungsfreien Zugang zur gesamten Infrastruktur erhalten“, so Weselsky.

Hinsichtlich der Nachfolge von Rüdiger Grube als DB-Vorstandsvorsitzender hat die GDL klare Vorstellungen: „Nötig ist ein Kandidat mit klarer Bahnkompetenz, hohem Sachverstand und Leidenschaft für die Schiene. Er muss begreifen, dass die Zukunft der Eisenbahn im Schutz ihres Herzstücks, der Infrastruktur und nicht in einer weltweiten Expansion als Logistikunternehmen liegt.“



Weitere Links und Infos
;