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GDL-Umfrage „Mit Sicherheit“

Die Sicherheit des Zugpersonals gemeinsam verbessern

Voraus Artikel - GDL Aktuell - 12.12.2016

Diskutierten Maßnahmen zum Schutz des Zugpersonals nach traumatischen Ereignissen: v. l.: GDL-Referent Michael Bublies, Leiter DB-Gesundheitsmanagement Dr. Christian Gravert, Teamleiterin DB-Gesundheitsmanagement Annett Schlesier, stellvertretender GDL-Bundesvorsitzender Lutz Schreiber, Sprecher des Arbeitskreises „Belastende Ereignisse Bewältigen“ Michael Dittmann Foto: GDL
Diskutierten Maßnahmen zum Schutz des Zugpersonals nach traumatischen Ereignissen: v. l.: GDL-Referent Michael Bublies, Leiter DB-Gesundheitsmanagement Dr. Christian Gravert, Teamleiterin DB-Gesundheitsmanagement Annett Schlesier, stellvertretender GDL-Bundesvorsitzender Lutz Schreiber, Sprecher des Arbeitskreises „Belastende Ereignisse Bewältigen“ Michael Dittmann Foto: GDL

Das gesellschaftliche Klima wird rauer und damit einhergehend sieht sich auch das Zugpersonal mit immer mehr Übergriffen und zunehmender Brutalität konfrontiert. Doch bei der Erörterung der Sicherheitsprobleme darf nicht ausschließlich die hohe Anzahl der bekannt gewordenen Fälle in Betracht gezogen werden.

Leider verzichten viele Betroffene bei kleinen oder mittelschweren Delikten gegen die eigene Unversehrtheit mittlerweile auf eine Anzeige bei der Polizei, da die Täter allzu oft nicht ermittelt werden können oder, oder falls doch, kaum strafrechtliche Konsequenzen fürchten müssen. Dies führt dazu, dass zahlreiche Vorfälle überhaupt nicht erfasst werden und somit in keiner Statistik auftauchen.

Extrem hohe Dunkelziffern

Wie hoch die Dunkelziffer bei Übergriffen auf das Zugpersonal tatsächlich ist, zeigt die detaillierte Auswertung der 2016 unter den GDL-Mitgliedern durchgeführten Umfrage „Mit Sicherheit“. In diesem Punkt wurden die Werte für das gesamte Jahr 2015 sowie ein Kontrollwert für den April 2016 ermittelt. Demzufolge beträgt die Dunkelziffer bei:

  • sexueller Belästigung: 1,4 Prozent in 2015 / 0,8 Prozent im April 2016
  • Körperverletzung: 4,8 Prozent in 2015 / 2,1 Prozent im April 2016
  • Bedrohung / Beleidigung: 32,7 Prozent in 2015 / 19,2 Prozent im April 2016

Die genannten Werte beziehen sich jeweils auf einhundert Prozent des Zugpersonals (Lokomotivführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen) bei der DB.

Gespräche mit den Arbeitgebern

Diese erschreckenden Zahlen bilden nur einen kleinen Teil der umfangreichen Erkenntnisse, die aus der GDL-Erhebung bisher gewonnen wurden, beziehungsweise weiterhin gewonnen werden. Über die ersten Ergebnisse und das aus der Befragung resultierende 16-Punkte-Konzept wurde bereits mehrfach im GDL Magazin VORAUS berichtet.

Um den Eisenbahnverkehrsunternehmen die Umfrageergebnisse vorzustellen und daraus in gemeinsamer Diskussion Schritte zur Beseitigung der Missstände einzuleiten, vereinbarte die GDL Gespräche mit Vertretern der DB und der NE-Bahnen.

Am 15. November 2016 stellte die GDL das Konzept dem Leiter des DB-Gesundheitsmanagements Dr. Christian Gravert, vor. Dabei konnten beide Seiten ihre Erkenntnisse im Zusammenhang mit traumatisierenden Vorfällen diskutieren. Darüber hinaus verabredeten die Teilnehmer weitere Gespräche und Aktivitäten in diesem Zusammenhang.

Am 21. November folgten Vertreter von Abellio, der Hessischen Landesbahn, National Express, Keolis/Eurobahn, der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, Netinera, Die Länderbahn, Westfalenbahn, Transdev, Nordwestbahn sowie der Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen e.V. Peter Westenberger einer Einladung der GDL zur Vorstellung einer auf die NE-Bahnen – sowohl generellen als auch unternehmensbezogenen – Auswertung der Umfrageergebnisse. Darüber hinaus sollte der Termin der GDL-seitigen Konzeptvorstellung mit Erläuterung des 16-Punkte-Plans und dem Austausch über die auf Betriebs- und Unternehmensebene bereits existierenden Konzepte zu Sicherheit und belastenden Ereignissen dienen.

NE-Bahnen schon auf gutem Weg

Bei der Zusammenkunft wurde deutlich, dass bei den Unternehmen ein hohes Interesse an der stetigen Verbesserung der Sicherheitssituation des Zugpersonals besteht und dass sie sich im Rahmen ihrer unternehmerischen Verantwortung und Fürsorge schon überwiegend auf einem guten Weg befinden. Die GDL stellte bereits mit der Einladung klar, dass ihr als Gewerkschaft für das Zugpersonal sehr daran gelegen ist, diesen Weg gemeinsam mit allen am Markt befindlichen Eisenbahnverkehrsunternehmen zu gehen und den Einsatz für die Sicherheit der Beschäftigen zu intensivieren.

Alle Teilnehmer bestätigten die Relevanz der von der GDL vorgestellten Konzeptpunkte. Die Unternehmen stellten den Anwesenden zudem die jeweils bei ihnen vorhandenen Konzepte vor. Neben einem dabei ersichtlich gewordenen hohen Grad an Übereinstimmung führte die Diskussion auch zu so manchem Aha-Effekt und dem erklärten Willen, sich anhand des „Best-Practice-Verfahrens“ auch weitere gute Maßnahmen anderer Unternehmen anzueignen.

Auftakt zu weiteren Gesprächen

Bei dem Treffen wurden auch Themen wie

  • der Einsatz von Pfeffer- beziehungsweise Abwehr-spray,
  • Kameraüberwachung kontra Datenschutz,
  • die Relevanz von Unternehmensbekleidung in Wechselwirkung mit dem subjektiv wahrgenommnen Sicherheitsgefühl der Kollegen und/oder Fahrgäste,
  • Fahrkartenverkauf durch Zugbegleiter ja oder nein
  • und die Nutzung von Apps als Hilfsmittel zur Erhöhung der wahrgenommenen Sicherheit

angesprochen und diskutiert.

Die GDL machte außerdem deutlich, dass es in Auswertung der Umfrage einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Anzahl der erlebten Ereignisse und dem – ebenfalls abgefragten – Gesundheitszustand der Kollegen gibt. 16,8 Prozent der Lokomotivführer und 51,4 Prozent der Zugbegleiter bei den NE-Bahnen haben schon mindestens einmal in ihrem Berufsleben einen körperlichen Angriff erlebt. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der GDL, Lutz Schreiber, stellte als Gastgeber zum Abschluss fest, dass diese Runde nur der Auftakt zu weiteren Gesprächen und von noch zu vereinbarenden Terminen vor Ort sein kann.

Das gesamte Zugpersonal einbeziehen

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die sich wie ein roter Faden durch alle bisherigen Termine zog, war die Feststellung, dass im Zusammen-hang mit belastenden Ereignissen allzu oft nur die Berufsgruppe der Lokomotivführer im Fokus steht. Doch auch Zugbegleiter, Bordgastronomen und weitere Beschäftigte des Zugpersonals, die direkt oder indirekt Übergriffen und Unfällen ausgesetzt sind, können erhebliche Folgeschäden davontragen. Diese Folgeschäden und auch die sich mit vielfachen Belastungen summierenden Auswirkungen zu verhindern oder wenigstens abzumildern ist der Hauptansatz des 16-Punkte-Planes des GDL. Wer belastet ist, muss auch eine Chance auf Hilfe haben. Darüber stimmten bisher alle Teilnehmer in sämtlichen Gesprächsrunden überein. Dies möglichst flächendeckend in Deutschland zu gewährleisten, ist ein zentrales Anliegen der GDL.

Dass die DB hier schon relativ weit fortgeschritten und mindestens anhand der entsprechenden Konzernregelungen auch beispielgebend ist, wird von der GDL anerkannt. Dennoch sollten die bereits vorhandenen guten Regelungen vor Ort in den Regionen und einzelnen Geschäftsfeldern besser umgesetzt werden und dabei vor allem das gesamte Zugpersonal mehr Beachtung finden.

Gefährdungsbeurteilungen intensiver nutzen

Hier empfiehlt die GDL dringend die Einbeziehung der 16-Punkte des GDL-Konzepts in die Maßnahmenkonzepte zu den Gefährdungsbeurteilungen des Zugpersonals. In der Umfrage trat klar zutage, dass das Konzept der Gefährdungsbeurteilung bei der DB lediglich 8,2 Prozent und bei den NE-Bahnen insgesamt nur 5,7 Prozent der Umfrageteilnehmer überhaupt bekannt ist. In diesem Zusammenhang fordert die GDL, die nach Arbeitsschutzgesetz zwingend vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen sehr viel intensiver als bisher zu nutzen und gerade dort, begleitet durch die örtlichen Betriebsräte, vor allem wirksame Maßnahmen gegen Übergriffe und belastende Ereignisse zu verankern.

Leider wird von EVG-geführten Gesamt- und Konzernbetriebsräten viel zu oft übersehen, dass statt endloser runder Tische oder unschöner Auseinandersetzungen über Schichten und Einsatzpläne gerade in der Mitbestimmung über Maßnahmen der Gefährdungsbeurteilungen bereits ein mächtiges und dabei stetig anzupassendes Instrument vorhanden ist, um die im Eisenbahnbetrieb vorhandenen Belastungen auch im Hinblick auf die Sicherheit wirksam zu senken.

Weitere Auswertung der Umfrage

Hinsichtlich der Umfrage stehen unter anderem noch eine finale Übersicht der als besonders gefährlich einzuordnenden Strecken, die Auswertung der vielen Freitextfelder und Kommentare der Teilnehmer sowie zahlreicher weiterer Detailergebnisse aus. Darüber hinaus erfolgt eine stetig weitergehende Berichterstattung an den Hauptvorstand in den kommenden Sitzungen. Zudem fließen die aus der Umfrage gewonnenen Informationen und Erkenntnisse in Termine mit GDL-Arbeitskreisen, Vorstandssitzungen, Betriebsversammlungen, sowie in Hintergrundgespräche mit Politikern, Verbänden und weitere Akteure des Eisenbahnverkehrsmarktes ein. Schließlich wird der geschäftsführende GDL-Vorstand in Gespräche mit Vertretern der drei DB-Geschäftsfelder sowie, in Bezug auf die Schulungsinhalte von Lokomotivführern und Zugbegleitern, mit DB Training gehen. M. B.

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