» Das Beste gegen Stau und Luftverschmutzung ist die Schiene

Fast 50 Milliarden Euro sollen die Staus in Deutschland bis zum Jahr 2025 kosten. Der Ärger ist dabei noch nicht eingepreist. Die Luft in den Städten wird immer schlechter. Das Damoklesschwert der Fahrverbote ist noch nicht beseitigt. Die Jamaika-Koalition hat sich auf die Automobilbranche eingeschossen. ... mehr

„Zwischen Arbeit und Freizeit − Zeit zum Leben“

Spitze der GDL-Jugend bestätigt

GDL Aktuell - Pressemitteilung - 10.06.2016

Bundesjugendleiterin Franziska Pudlich mit ihren Stellvertretern Michael Braun (re.) und Andreas Uhlig kurz nach der Wiederwahl zur Bundesjugendleitung in Berlin <span style=display:none>   -   </span><span class=fsource>Foto:  Gerda Seibert</span>
Bundesjugendleiterin Franziska Pudlich mit ihren Stellvertretern Michael Braun (re.) und Andreas Uhlig kurz nach der Wiederwahl zur Bundesjugendleitung in Berlin   -   Foto: Gerda Seibert

Bundesjugendleiterin Franziska Pudlich (31) Zugbegleiterin aus Kassel sowie ihre beiden Stellvertreter, die Lokomotivführer Michael Braun (33) und Andreas Uhlig (35) wurden auf dem GDL-Bundesjugendtag vom 7. bis 8. Juni 2016 in Berlin mit großen Mehrheiten in ihren Ämtern bestätigt.

Familie und Freunde kommen viel zu kurz

GDL und GDL-Jugend haben sich die Belastungssenkung für Lokomotivführer und Zugbegleiter zum Ziel gesetzt. Eine wesentliche Ursache dafür ist der Mangel an Zugpersonal. In Deutschland fehlen rund 1.000 Lokomotivführer und viele Zugbegleiter, allein bei der DB sind es 800 Lokomotivführer. Die GDL fordert, dass mehr Zugpersonal ausgebildet und eingestellt wird. Dazu gehören aber immer zwei – einer, der einstellt und einer, der eingestellt werden will. Letzteres funktioniert aber nur, wenn die Berufe Lokomotivführer und Zugbegleiter wieder attraktiver werden. Dazu müssen sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Wertschätzung gegenüber den eigenen Mitarbeitern verbessert werden. Pudlich: „Schaut man sich die Schichtpläne unserer Kollegen an, kommt einem das kalte Grauen. So wissen die Kollegen oft am Montag nicht, ob sie am Dienstag arbeiten müssen oder nicht, geschweige denn, wie man den vorgelegten Dienstplan mit ehrenamtlichen Aktivitäten in Vereinen, der freiwilligen Feuerwehr, dem THW vereinbaren kann. Durch Handys und Tablets vom Arbeitgeber, die zur ‚Privatnutzung‘ freigegeben sind, soll das Zugpersonal permanent erreichbar sein. Arbeit und Freizeit verschmelzen immer mehr. Familie und Freunde kommen viel zu kurz“, so die Bundesjugendleiterin.

DB-Management setzt auf Überstunden

Statt mehr Kollegen einzustellen, setzt das DB-Management weiterhin auf Überstunden. GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: „Die DB ist sehr phantasievoll, um die von uns eingeführte Begrenzung auf 80 Überstunden im Jahr zu unterwandern. Mit Vorliebe werden die Überstunden ausbezahlt, damit sie in der Statistik erst gar nicht auftauchen, oder in Langzeitkonten verschoben. Die Überlastung hört aber nicht auf, wenn der Ausgleich für diese vielen Überstunden ins Rentenalter verlagert wird. Ohnehin weiß jeder, dass die heutigen Überstunden in den Langzeitkonten in 25 Jahren vielleicht nur noch die Hälfte wert sind. Deshalb ist direkter Freizeitausgleich die glasklare Forderung.“

Verbesserung der Arbeitszeitbedingungen

Der Bundesjugendtag hat zahlreiche Forderungen zur Verbesserung der Arbeitszeitbedingungen beschlossen. So sollen beispielsweise die Übergänge zwischen den Schichten verlängert und Nachtschichten, die zwischen 23 Uhr und 4 Uhr beginnen, auf maximal neun Stunden verkürzt werden.

Ganz oben auf der Agenda stehen auch verbesserte Schichtpläne, um das Privatleben wieder planbarer und familienfreundlicher zu machen. Einen wesentlichen Punkt hat die GDL jedoch schon in ihrem Flächentarifvertrag erreicht: die Arbeitszeitverkürzung auf 38 Stunden ab 2018. „Eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit bringt einiges an Lebensqualität im unregelmäßigen Schichtdienst, vorausgesetzt es gibt bis dahin auch ausreichend Personal“, so Weselsky.

Auf dem Bundesjugendtag ist man sich einig: Diese Überlastung des Zugpersonals muss gemeinsam bekämpft werden. Pudlich: „Packen wir es an.“

Podiumsdiskussion: Zwischen Arbeit und Freizeit − Zeit zum Leben
Einig war man sich in der professionell vom Hörfunkjournalist Joachim Radünz moderierten Podiumsdiskussion, dass man die Beschäftigten nicht überlasten darf. Die Ansätze waren jedoch unterschiedlich.

Markus Koob (MdB CDU/CSU): Künftig werden sich die Beschäftigten die Unternehmen nicht mehr danach aussuchen, wo sie mehr verdienen, sondern, wo sie Familie und Beruf am besten vereinbaren können. Und die anderen werden langfristig Schwierigkeiten bei der Personalakquise bekommen. Es ist auch nicht akzeptabel, wenn bei der Bahn Unmengen Überstunden anfallen. Ich werde dieses Thema in den Bundestag einbringen.

Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen): Für uns Grüne ist Zeitsouveränität wichtig. Politik und Arbeitgeber haben von den Beschäftigten viel Flexibilität gefordert, aber Flexibilität darf keine Einbahnstraße sein. Entgrenzungen wie bei der Leiharbeit, der Niveauabsenkung der Rente, eine Riesterrente, die nicht funktioniert, und das Befristungs-Unwesen müssen beendet werden. Mit unserer Wahlarbeitszeit wollen wir, dass jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch hat, um im Rahmen eines Korridors zwischen 30 und 40 Stunden in der Woche selbst über seine Arbeitszeit entscheiden zu können.

Norbert Müller (MdB Die Linke): Den Arbeitgebern wäre es am liebsten, wenn die Beschäftigten vom 15. bis zum 70. Lebensjahr 50 bis 60 Stunden pro Woche arbeiten. Diesen Trend muss man umdrehen. Der Arbeitsmarkt ist so zu regulieren, dass die Menschen wieder mehr Zeitsouveränität haben: für Familie und Freunde, und für das Engagement in Vereinen und Politik. Auch Demokratie braucht Zeit. Beschäftigte, die rund um die Uhr in der Arbeit sind, können sich nicht für die Gesellschaft engagieren.

Andreas Uhlig (stellvertretender Bundesjugendleiter): Für mich als Lokomotivführer ist der Beruf eine Herzensangelegenheit! Die Rahmenbedingungen müssen allerdings stark verbessert werden. Wie soll man denn ein privates Leben führen und eine Familie gründen, wenn dafür aufgrund der unregelmäßigen Schichten und der hohen Flexibilität, die vom Arbeitgeber gefordert wird, keine Zeit ist.

Mehr zum Thema Jugend


Weitere Links und Infos